KARL GEISTLICH FINE ARTS
KARL GEISTLICH FINE ARTS

Werke

Bilder über den zweiten, entscheidenden Blick

 

Bilder von Karl Geistlich wirken auf den ersten Blick formal klar und inhaltlich eindeutig:

ihre naturalistisch anmutende Gegenständlichkeit offenbart ihre Aussagen anscheinend sehr direkt.

Ob Porträts, Situationen, Gegenstände – immer sind die Themen offensichtlich in ihrer sorgfältigen Präzision der Darstellung.

Man fühlt sich spontan erinnert an die sachlichen Tendenzen der Moderne in Malerei und Fotografie in den 20er und 70er Jahren, den ersten postmodernen Bewegungen gegen abstraktionistische Kanonisierungen – von Grosz und Dix Karikaturen über Sheelers Industrielandschaften und die berühmten Hopper`schen Nighthawks bis hin zu den amerikanischen Airbrush-Hyper-Realisten der 70er oder der deutschen Becher-Foto-Schule.

Doch inhaltlich wie formal gibt es bemerkenswerte Unterschiede: die gewählten Themen sind oft subtiler, surrealer, die Maltechnik meist technisch etwas flächiger, mehr in die Zweidimensionalität des Bildraumes orientiert, mit einer bewusst lässigen Attitüde im Ausführungsdetail– eine Haltung gegen die drohende Glätte eines stilistischen Perfektionismus

Dadurch wird das Malerische betont und gegen das Figurative wieder ins Recht gesetzt , eine stärkere Fiktionalisierung entsteht – etwas Maskenhaftes legt sich über die Darstellungen, übersteigert die vermeintliche Präzision und lässt in plakativer Manier die nackte Oberfläche hinter sich.

 

Beim so beschriebenen und entscheidenden zweiten Blick entsteht eine neue  Art von paradoxer Un/Sachlichkeit, ähnlich wie bei einem Bühnenstück mit typisierenden Überzeichnungen jenseits von Porträts oder Stillleben.

Politischen Aussagen, kritischen Konzepte und anspruchsvolle Statements hinter dem Schein des Kunstbildes werden überdeutlich erfahrbar – wie z.B. Porträts gegen den zeitgenössischen Social-Media-Narzissmus, Bilder über problematischen Fleischgenuss oder stillebenhafte Objektkompositionen.

In dieser Synthese von behutsam daher kommender Malerei und durchaus politisch akzentuierter Inhalte wird das Engagement in der Kunst neu wiedergeboren.

 

Thomas Hegemann,

Berlin 2013